Der Schokoholic

SchokoholicManche Personen, insbesondere Frauen, bezeichnen sich selbst gern als Schokoholic (englische Schreibweise: Chocoholic) und wollen dabei (mehr oder weniger scherzhaft) auf ihre Schokoladensucht bzw. auf ihre Eigenart besonders viel Schokolade zu essen hinweisen. Auch werden Mitmenschen, die es mit dem Schokoladenaschen übertreiben, gern als Schokoholic bezeichnet. Diese Bezeichnung trägt allerdings meist einen liebevollen bzw. humorvollen Unterton, und der „Schokoholismus“ wird meist nicht als ernsthafte Erkrankung betrachtet. Anders als Betroffene des Binge Eating sind Schokoholics in sehr vielen Fällen eher Genießer, und wenn sie ihre Gewohnheit als „Schokoladensucht“ bezeichnen, dann ist das meistens als Übertreibung zu werten.

Beruht das Phänomen vom „Schokoholic“ auf Gewohnheiten, oder leidet ein Schokoholic tatsächlich an einer körperlichen Abhängigkeit von einem oder mehreren der Inhaltsstoffen der Schokolade?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir die Inhaltsstoffe von Schokolade genauer unter die Lupe nehmen. Psychoaktive Nahrungsmittelbestandteile wirken sich auf den Stoffwechsel des Gehirns aus und beeinflussen auf diese Weise unsere Stimmung. Beispielsweise hebt das Dopamin der Banane die Laune. Der menschliche Körper lernt diese Wirkungen kennen und gewöhnt sich bei (zu) häufigem Konsum von Lebensmitteln, welche psychoaktive Bestandteile enthalten, an deren Wirkung. Auf diese Weise kann ein Mensch zum „Schokoholic“ werden.

Die psychoaktiven Inhaltsstoffe (insbesondere) schwarzer Schokolade:

Koffein

Auf diesen Bestandteil der Schokolade (vor allem schwarzer Schokolade) geht bereits der Artikel „Koffein und seine Wirkung“ ein. Koffein bewirkt eine Verschärfung der Sinne und Erweiterung der Bronchien, erhöht Blutdruck und Puls, wirkt anregend auf das Zentrale Nervensystem, harntreibend und bremst die Darmperistaltik. Die Koffeinmenge einer Tasse Kakao beträgt jedoch maximal 1/4 der Koffein- bzw. Theobrominmenge von Kaffee oder Schwarzem Tee.

 

2-Phenylethylamin und Anandamid

Diese beiden Inhaltsstoffe sind auch in harten Drogen enthalten. Sie sind in ihrer Wirkung (und Struktur) Amphetaminen ähnlich und haben ähnliche Wirkungen auf das Gehirn: Dopamin und Noradrenalin werden freigesetzt, und es kommt gleichzeitig zur Blockierung der Wiederaufnahme von Dopamin. Zudem bewirkt 2-Phenylethylamin eine Senkung des Blutdrucks sowie die Entstehung euphorischer Gemütszustände.
Anandamid hat ähnliche Wirkungen wie THC, welches in der Cannabispflanze vorkommt. Auf diese Wirkungsmechanismen ist die antidepressive Wirkung von Kakao zurückzuführen.
Da diese Inhaltsstoffe in Kakao nur in geringen Mengen enthalten ist, gehört Schokolade zu den frei verkäuflichen, nicht apothekenpflichtigen Lebensmitteln. (Dies war jedoch einmal anders, siehe Geschichte der Schokolade).

Casomorphine

In Schokolade enthaltene Casomorphine, welche in ihrer Wirkung mit körpereigenen Endorphinen verglichen werden können, wirken schmerzstillend.

 

Vanillin

Das in Schokolade enthaltene Vanillin regt die Produktion von Serotonin an.

 

SchokoladenkuchenFette

Auch die in der Schokolade enthaltenen Fette sind für die Verbesserung der Stimmung nach Schokoladenkonsum mitverantwortlich.

 

Thyramin

Für die Migräne bzw. Beschwerden wegen Histaminintoleranz ist das in Schokolade enthaltene Thyramin verantwortlich. Auf Migräne bzw. eine ihr zugrunde liegende Histaminintoleranz geht der Artikel Kaffeeunverträglichkeit genauer ein.

 

Weitere wichtige Bestandteile der Schokolade sind Thyramin, Magnesium und Theobromin.

 

Warum haben viele Frauen in den Tagen vor den Tagen Heißhunger auf Schokolade?

Für den prämenstruellen Heißhunger auf Schokolade, welcher viele Frauen plagt, die sich sonst nicht zu den Schokoholics zählen, ist ein (völlig normales) Absinken von Serotonin und der körpereigenen Endorphine verantwortlich.

 

Kakao wurde ursprünglich als Arzneimittel verwendet. Welche gesundheitsförderlichen Wirkungen hat Schokolade?

Häufig wird behauptet, Kakao verringere aufgrund der enthaltenen Flavonoide das Herzinfarktrisiko, was auf deren gefäßschützende Wirkung zurückgeführt wird. Außerdem wirkt sich, wie oben ausgeführt wurde, besonders hochprozentige Schokolade mit hohem Kakaoanteil positiv auf die Gefäße und auf die Laune aus. Diese Tatsachen sprechen dafür den „Schokoholic“ bzw. den Schokoholismus als Krankheitsbild weiterhin nicht ernst zu nehmen, es sei denn, es liegt eine andere Erkrankung vor, welche sich durch exzessiven Schokoladenkonsum verschlimmert oder diesen von vorneherein ausschließt. Außerdem ist der Fett- und Zuckeranteil des individuellen Schokoladenproduktes zu beachten.

Dieser Artikel kann eine persönliche Beratung durch einen Arzt, Heilpraktiker oder Ernährungsberater nicht ersetzen.

Quellen:

– FIZ Chemie Berlin: „Warum macht Schokolade süchtig“

– Institut für Chemie und ihre Didaktik, Institut zu Köln: „Zusammensetzung von Schokolade“

– Krawitz, J.: „Schokolade und Psyche“

 

Bildquellen:

Bild 1: manwalk Manfred Walker / Pixelio.de

Bild 2: Helene13 / Pixelio.de