Kaffeetrinken – die vielseitig verwendete Formel

Dem Kaffeetrinken kommt in unserer Gesellschaft eine äußerst wichtige Rolle zu – vor allem als Alibi für völlig andere Dinge:

Will man sich mit einer Freundin treffen, lautet die Einladung häufig „Hast du Lust, am Samstag Kaffeetrinken zu gehen?“ oder „Wollen wir am Mittwoch einen Kaffee trinken gehen?“. Diese Einladung funktioniert genauso gut zur unverfänglichen Initiierung eines romantischen Dates oder als Einladung zu einem inoffiziellen Meeting. Der Grund dafür: Das Kaffeetrinken selbst dauert nicht sehr lange, sodass sich das Gegenüber nach dem Genuss der Tasse bei Bedarf schnell wieder aus dem Staub machen kann. Deshalb sind Einladungen zum Kaffeetrinken weniger verbindlich als etwa Einladungen zum Abendessen. Ein weiterer Vorteil: Da die meisten Menschen dem Kaffee nicht abgeneigt sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine Einladung zum Kaffeetrinken ablehnt, recht gering.

Kaffee-SchildDer Kaffee als Ausrede für vielerlei Aktivitäten

Auch wenn bei dem eigentlichen Treffen gar kein Kaffee getrunken wird, muss er dennoch als Ausrede für den Grund des Treffens herhalten. Bei vielen Treffen wird tatsächlich Kaffee getrunken, doch steht das Zeremoniell des Kaffeegenusses keinesfalls im Zentrum der Verabredung, sondern vielmehr die Unterhaltung, die beim Trinken des Kaffees geführt wird.

Bei vielen Familientreffen gehört das Kaffeetrinken neben dem Mittagessen oder Abendessen zur Tagesordnung. Dabei spielt es keine Rolle, ob beim „Kaffeetrinken“ wirklich alle Familienmitglieder dieses Getränk konsumieren: Der eine wird zum Kuchen einen Tee trinken, die andere greift zum Kakao oder zur Apfelschorle.

Was hat es mit der Formel Kaffeetrinken auf sich?

Sprachlich gesehen handelt sich um eine Metonymie, da mit dem Kaffeetrinken in den seltensten Fällen allein der Akt des Kaffegenusses gemeint ist, sondern vielmehr das ganze Treffen. Wird das Kaffeetrinken als Bezeichnung eines Punktes auf der Tagesordnung eines Familientreffens verwendet, ist es selbstverständlich, dass nicht nur Kaffee getrunken wird, sondern dass beispielsweise auch Kuchen oder Kekse auf dem Tisch stehen.

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